Als einer auszog, um zu plakatieren:

4 Tage aus dem Leben eines Wahlkampfhelfers – Teil 3

Überraschend, aber: Von der NPD kann man tatsächlich auch etwas lernen, und zwar plakatieren (Das war es dann aber auch an Dingen, die man sich von ihnen abschauen kann.). Aber in den Wahlkampf treten ja noch mehr Parteien. Ihre Botschaften, kann man sich von ihnen etwa auch was abschauen? Oder sollte man bei manchen Kampagnen lieber schnell wegschauen?

Mittwoch, 30. Juli 2014
Für heute habe ich mir weiteres Plakatieren verboten. Ich will nach der Arbeit nur noch schnell zum GLOBUS-Supermarkt, denn dort gibt es in unserer nahezu biomarktfreien großen Kleinstadt das beste Gemüseangebot, FairMast-Geflügel und nicht-homogenisierte Alnatura-Frischmilch. Das Abendessen soll fertig sein, wenn mein Partner Andreas von der Arbeit kommt, und ich liege hierfür auch gut in der Zeit.

Doch dann geschieht es: Auf dem Weg zu GLOBUS, auf der Humboldtstraße am Schwanenteichgelände, erblicke ich junge, schlanke, wohlgestaltete Laternenpfähle. Und: Sie sind noch völlig nackt! Und es ist, als riefen sie mir zu: „Komm und kleide uns mit deinem grünen Gewand!“ – In diesem Moment begreife ich, dass ich plakatiersüchtig geworden bin. Und im Kofferrraum liegen ja auch noch einige Plakate – pünktliches Abendessen wurde nichts …

Noch schlimmer als die NPD hat mir die FDP die schönsten Laternen leider schon entrissen. Die waren wirklich schnell. Wobei man denen mit ihrem inhaltsfreien Einheitsplakat „Sachsen ist nicht Berlin“ kaum böse sein kann. Gut, dass ich das jetzt weiß. Und ich kombiniere weiter: Bayern München ist nicht Werder Bremen, links ist nicht rechts, Zwickau ist nicht New York, Angela Merkel ist nicht Angelia Jolie. Ohne die FDP wäre ich niemals in der Lage gewesen, solche Unterschiede wahrzunehmen! Aber keine Polemik gegen den Liberalismus, die Grundidee ist im Kern ja grün. Hamm-Brücher, Genscher u.a. wären – etwas später geboren – möglicherweise heute bei GRÜN zu Hause. Besonders beim Aufhängen des Plakates „Für einen Freistaat, der diesen Namen verdient“ habe ich über sowas immer wieder nachgedacht.

SPD und LINKE sind in Zwickau heuer spät dran mit dem Plakatieren. Das hat u.a. zur Folge, dass mir die SPD das Flächenkunstwerk an der Pölbitzer Straße zerstört hat: Da schieben die doch einfach an einem beliebigen Pfahl mein grünes Plakat nach oben (ohne jeden Respekt für das Gesamt-Ensemble!) und hängen ihren Mario-Pecher- oder Martin-Dulig-Kopf darunter! Noch dazu hatte die SPD für die LT-Wahl nach meinem Empfinden keine gute Werbeagentur: Die auf Künstler-Portrait gemachten Schwarz-Weiß-Fotos erinnern an drittklassige Schauspieler. Jedenfalls sind die GRÜNEN Plakate erheblich besser gelungen. Auch an anderen Zwickauer Standorten hat mich die SPD einfach nach oben geschoben – ich komme beim Abnehmen da gar nicht mehr mit der Hand dran. Ich frage mich jetzt, ob es eine Verordnung gibt, nach der mir die SPD für das Plakat-Abnehmen eine Hubbühne oder zumindest eine Leiter stellen muss? Von mir aus können sie auch den 3 Meter großen Bronze-Willy-Brandt aus dem gleichnamigen Haus der Parteizentrale schicken, der käme da ohne Leiter ran. – Jedenfalls bin ich gespannt, wie ich ab 1. September die grünen Dinger an diesen Stellen wieder runter kriege.

Einstweilen will ich´s positiv sehen: Die SPD hat sich an vielen Laternen in Zwickau bereits grün plakatierte rausgesucht, GRÜN nach oben geschoben und ihren Nischel drunter gehängt. So hat´s ja auch in Baden Württemberg geendet :-).
Warum ich gar nichts zu den CDU-Plakaten sage? – Weil´s da nichts zu sagen gibt.“

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