Als einer auszog, um zu plakatieren:

4 Tage aus dem Leben eines Wahlkampfhelfers – Teil 1

Wahlkampf, das heißt auch: Plakatieren, plakatieren, plakatieren. Was bringt die beste Kampagne, wenn sie nicht gesehen wird? Deswegen machen sich unsere Mitglieder auf den Weg, mit dem Fahrradanhänger, Kinderwagen oder Kofferraum voll mit Plakaten und Kabelbindern.
Auf der Suche nach dem besten Standort für etwa unser „Mehr Grün für Sachsen“-Motiv, gehen sie in den direkten Wettstreit mit anderen Parteien: Wer wird besser gesehen von FußgängerInnen, RadfahrerInnen und AutofahrerInnen?
Dass das leichter gesagt, als getan ist, berichtete uns Wolfgang Wetzel, Mitglied der Grünen Zwickau. Seine Erlebnisse von vier Tagen plakatieren, seine Eindrücke der anderen Kampagnen wollen wir natürlich niemandem vorenthalten, heute Tag 1:

Montag, 28. Juli 2014
Zwischen Pölbitzer Brücke und B-93-Kreuzung gestalte ich das Flächenkunstwerk „Grünes Feuerwerk“, denn rechts und links sind noch alle Laternen frei. Jetzt passiert der Automobilist dort quasi eine grüne Plakatallee.

Während ich mich an einer Laterne auf der Brücke zu schaffen mache, hält ein Auto mit Schweizer Kennzeichen, eine Familie sitzt drin, klassisch der Mann am Steuer (dürfen in der Schweiz eigentlich Frauen schon den Führerschein erwerben?). Ich nehme an, dass sie nach dem Weg fragen wollen. Doch das unerwartete Gebrüll des Fahrers durch das elektrisch herunterfahrende Beifahrertürfenster klingt nicht nach Schwyzerdütsch und auch nicht nach Frage nach dem Weg, sondern üble Beschimpfungen meines Kunstwerkes erreichen mit regionalem Dialekt mein Ohr: Er werde diesen grünen Mist wieder „runterruppen“ und wenn ich nicht aufhöre mit dieser „grünen Scheiße“, könne er auch noch ganz anders. Die mitfahrende Frau versucht ihn zu beruhigen und mit quietschenden Reifen verlässt der falsche Schweizer sodann auch die Bühne.

Ich bin noch ein wenig verwirrt, ich war mir einen Moment lang nicht sicher, ob der Mann aussteigen und prügeln will. Meine Knie sind noch etwas weich, da hält Sekunden später wieder ein Auto, meine Fluchtreflexe wollen sich schon startklar machen. Doch da schaut ein ehemaliger Klient meiner Beratungsstelle aus dem Fenster, lächelt sehr freundlich und reckt den Daumen in die Höhe – Das alles binnen einer Minute erlebt …

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